Der WCCB-Maulwurfkrimi – ein Abend mit Lisa Inhoffen und Wolfgang Wiedlich (18.3.2013)

 

Seit vielen Jahren beschäftigt Bonn die Diskussion um das World Conference Center Bonn (WCCB), mit dem sich Bonn an die Anforderungen einer modernen UN-Stadt anpassen und den Erfordernissen einer internationalen Stadt mit all den daraus resultierenden Verpflichtungen gerecht werden will.

 

Anfängliche Begeisterung in der Öffentlichkeit, im Rat und in der Verwaltung ist einer Ernüchterung gewichen, dass gravierende Fehlinformationen und -entscheidungen, undurchsichtige Machenschaften und nicht zuletzt schwere juristische Verwerfungen den erfolgreichen Abschluss des Vorhabens bis heute verzögert haben. Der anfängliche Versuch, den Einsatz von Steuermitteln bei der Schaffung des WCCB zu vermeiden, ist inzwischen in sein Gegenteil pervertiert worden.

 

Dies aufgedeckt zu haben und die juristische Aufarbeitung des Desasters angestoßen zu haben, dieser Verdienst gebührt einem Team von Journalisten des Bonner General-Anzeigers, darunter Lisa Inhoffen und Wolfgang Wiedlich, die uns für einen langen Abend am 18.3.2013 in der Trinitatis-Kirche zur Verfügung standen, um uns Hintergrundwissen und Detailkenntnisse zu vermitteln. Anschaulich vermittelten die beiden Journalisten einen Eindruck von ihrer Recherchereise über Zypern, Hawaii bis Libyen – Stationen, wo das WCCB offenbar ebenfalls eine Rolle spielte. Entweder, um Geld für das WCCB zu akquirieren, oder um WCCB-Steuerzahlergeld für den nächsten Auftrag einzusetzen. Die schier nicht enden wollende Serie „Die Millionenfalle“ gibt langsam ein umfängliches Bild einer Entwicklung, die bisher niemand in allen Details überblicken konnte.

 

Aufspringend auf eine gescheiterte EU-weite Ausschreibung und eine vermeintliche Einbindung in den Weltkonzern Hyundai verschaffte sich der angebliche „Investor“ Man-Ki Kim in Bonn die Investorrolle und damit den Zugriff auf zunächst 74,3, später insgesamt 104,3 Millionen Euro, die von der Stadt Bonn, also vom Steuerzahler bebürgt waren. Geschickter als er agierten da nur die sich anhängenden israelisch-zypriotischen Heuschrecken von Arazim, die sogar Bonner Notare zu tumben Toren aus der Provinz werden ließen, die offenbar nicht merkten, dass Schuldner und eingetragene Grundbuchgläubiger nicht identisch waren. Gewinner in diesem Millionenspiel ist dann letztlich neben den 60% Zinsen fordernden Heuschrecken nur noch der Insolvenzverwalter, während die Vertreter der öffentlichen Interessen die Kosten des von ihnen verursachte Chaos auf den Steuerzahler abdrücken (zu denen inzwischen noch über 9 Mill. € Gutachter- und Rechtsberatungskosten hinzukommen, so dass das WCCB insgesamt die Zukunft eines jeden Bonner Einwohners mit über 500 € belasten wird). Falls der Hotelteil zur kurzfristigen Bonner Haushaltssanierung jetzt unter Wert von der Stadt verkauft werden sollte, wird der vom Steuerzahler auf Dauer zu tragende WCCB-Anteil umso belastender.

 

Tröstlich, dass wenigstens einige Journalisten nicht bereit waren, die WCCB-Entwicklung  weiter lokalpatriotisch zuzukleistern, sondern seit August 2009 die erstaunte Bonner Öffentlichkeit mit immer tieferen Stories aus dem Sumpf städtischer Irrwege erschreckten. Zu recht haben sie dafür den „Wächterpreis“ und den des Bundes der Steuerzahler erhalten. Doch, wie die Journalisten Inhoffen und Wiedlich versicherten, ruht die Aufdeckung der „Millionenfalle“ auch auf den Schultern vieler Bonner Bürgerinnen und Bürger, die Zugang zu WCCB-Dokumenten hatten und nicht mehr bereit waren, dem geheimen Treiben tatenlos zuzusehen, das letztlich zur Ausplünderung der Stadtkasse führte; sie stellten dem GA zahlreiche Papiere zur Verfügung. Nach Auskunft der Journalisten sei es sehr wichtig gewesen, innerhalb des GA-Teams feste Regeln für den Schutz der Informanten zu haben und zu befolgen.

 

Bisheriges Ergebnis der Ermittler: zehn Angeklagte, davon fünf in städtischen Diensten. Fazit: Unser General-Anzeiger hat sich zu einer ernst zu nehmenden Korrektivsäule an der Seite der Bonner Bürger emanzipiert. Hoffentlich bleibt er es auch in anderen Fällen städtischen Handelns als nur beim WCCB.

Es liegt an uns, ihn mit kritischen Leserbriefe dazu ermuntern, auf diesem Weg weiter zu gehen.

 

Dr. Gottfried Dietzel