Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels für Liao Yiwu am 14.10.2012

 

Am vergangenen Sonntag wurde in der Paulskirche der diesjährige Friedenspreis des Deutschen Buchhandels des Börsenvereins verliehen. Preisträger ist der in Deutschland lebende chinesische Schriftsteller Liao Yiwu.

Liao Yiqu

„Der Börsenverein ehrt damit den chinesischen Schriftsteller, der sprachmächtig und unerschrocken gegen die politische Unterdrückung aufbegehrt und den Entrechteten seines Landes eine weithin hörbare Stimme verleiht. Liao Yiwu setzt in seinen Büchern und Gedichten den Menschen am Rande der chinesischen Gesellschaft ein aufrüttelndes literarisches Denkmal. Der Autor, der am eignen Leib erfahren hat, was Gefängnis, Folter und Repression bedeuten, legt als unbeirrbarer Chronist und Beobachter Zeugnis ab für die Verstoßenen des modernen China.“

Das Manuskript seines Werkes „Für ein Lied und hundert Lieder“, in dem er von der Entmenschlichung durch rohe Gewalt in chinesischen Gefängnissen erzählt, wurde mehrfach von den Behörden beschlagnahmt; er hat es immer wieder neu geschrieben und konnte es schließlich im Exil veröffentlichen. Als Volksschriftsteller im umfassenden Sinn steht er ein für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie.“

Mit diesen Worten würdigt der Börsenverein den Preisträger und unterstreicht damit seine besondere literarische und politische Bedeutung. Damit beweist er auch besonderen Mut angesichts der aktuellen politischen Weltlage und des besonderen Verhältnisses Deutschlands zum Reich der Mitte.

 

Auch in diesem Jahr hatte die GIK wieder die Möglichkeit, einigen unserer Mitglieder die Teilnahme an diesem besonderen Ereignis zu ermöglichen. Da nicht als VIPs angesehen, gab es für uns lediglich Plätze in der letzten Reihe, so dass wir die Vorkommnisse vorne nur von Ferne beobachten konnten. Es war dennoch ein ganz besonderes Erlebnis, zumal wir anhand der vorliegenden Texte die Reden verfolgen konnten. Besonders beeindruckend war dann die Ansprache von LIAO YIWU selbst. Er, der nicht mehr in seinem Land lebt, hat mit bewundernswerter Offenheit und Deutlichkeit die politischen Linien in seinem Land nachgezeichnet, wohl wissend, dass die chinesische Regierung nichts unterlassen wird, um diesem „Nestbeschmutzer“ deutlich ihren Standpunkt zu erläutern.

Nach Abschluss seiner beeindruckenden und mit standing ovations gefeierten Rede zelebrierte Liao Yiwu noch ein chinesisch buddhistisches Ritual mit Gebetsschale und Klöppelinstrument, dessen Klang und Nachklang alle Anwesenden sehr berührt hat. Sehr leise war es dann beim Auszug der Besucher aus der Paulskirche.

 

Manfred Jastrzemski