Herbstliche Radtour zu Römerkanal, Feldkapellen und Wasserschlössern

9. Oktober 2012

Ein strahlender Herbsttag – wie gemacht für das siebenköpfige Radelteam der GIK.

Gottfried Dietzel und Edeltraud Rädle hatten eine schöne Route für uns ausgesucht. Wir fahren mit der Voreifelbahn ca. 1 Stunde bis zum Bahnhof Arloff. Erste Attraktion ist das Schloss Wachendorf. Es beherbergt u.a. ein buddhistisches Zentrum. Gleich sind wir durch den angenehmen Klang der Glocke eingestimmt, nicht nur mit den Augen, sondern mit allen Sinnen den Tag zu genießen. Denn gleich geht es weiter zu einem ganz besonderen Bauwerk christlicher Religion: Mit allen Sinnen meint auch die Gerüche der Eifeler Landwirtschaft.

Mit dem Fahrrad erreichen wir die architektonisch ungewöhnliche Bauernkapelle für den Hl. Nikolaus von der Flüe. Nicht nur die Architektur sondern auch der Anlass der Errichtung auf freiem Feld sind einzigartig. In Dankbarkeit für ein erfülltes Bauernleben konnte das Ehepaar Scheidtweiler den Schweizer Stararchitekten Zumthor überzeugen, 2007 durch eine besondere Mischung von Beton und dem Negativabdruck von Fichtenstämmen einen Meditationsraum zu schaffen, der - der Einsiedlerklause von Bruder Klaus nachempfunden - in kurzer Zeit eine weltweite Resonanz gefunden hat http://www.feldkapelle.de/.

  

Jetzt machen wir uns aber auf die Suche nach dem Römerkanal. Die geschmacksverwöhnten Römer liebten das kalkhaltige Eifelwasser und bauten deshalb von Nettersheim bis Köln eine ca. 120 km lange Wasserleitung.

Auf freiem Feld gibt es nur noch wenige Relikte der Anlage, da die Steine von der ansässigen Bevölkerung für Schlösser, Häuser und Ställe im Laufe der Jahrhunderte verbaut wurden. Aber im Schutz der Wälder blieben noch einige Abschnitte erhalten. Die gilt es jetzt zu finden. Gottfried Dietzel führt uns bergauf, bergab. Ein ausgebauter Radweg ist da nicht immer verfügbar, aber endlich in Kreuzweingarten ein gut erhaltenes Kanalstück. Hier sieht man auch gut die sehr dicke Kalkablagerung. Die mittelalterlichen Nachfahren der Römer trennten diesen Kalksinter dann aus dem Kanal und schnitten daraus schöne Marmorplatten, die zum Teil noch heute poliert in Kirchen und öffentlichen Gebäuden zu sehen sind.

Zur Mittagspause fahren wir den Anstieg zum Kloster Maria Rast hinauf. Ein herrlicher Flecken Erde mit einer tollen Fernsicht in die Eifel, einem Gärtner, der uns Kaffee kocht und einer Mutter Oberin, die uns prächtig unterhält und uns herzhaft lachen lässt über das das traurige Ende einer verschönerten Frau. Außer uns Kanalsuchern gibt es dort auch richtige Pilger.

Der Eifelwald ist schon intensiv gefärbt und gibt uns nach einem beträchtlichen Anstieg den Blick von der Hartburg frei weit in die Kölner Bucht hinein. Eine sehr große Burganlage an strategisch wichtiger Stelle. Wir hatten Glück und konnten den an diesem Tag ausnahmsweise geöffneten Bergfried ersteigen, um diesen Blick auch ausgiebig zu genießen. Edeltraud wird Burgfräulein im „Echothronbaum“. Schön.

 

 

 Von hier aus geht es jetzt gemütlich durch schöne Dörfer und Eifellandschaften zu den Wasserburgen in Niederkastenholz, Flamersheim und Ringsheim. Im Burghof von Niederkastenholz treffen wir sogar auf die so wohltuend sachliche und bescheidene Burgherrin. Natürlich wurde die Erwerberfamilie durch die Denkmalpflege unterstützt, aber die Renovierung und Erhaltung brauchen auch Eigenkapital und viel Liebe zum Detail. Interessant, wie man die alte Fassadenfarbe wieder entdeckt oder die Dächer restauriert, ohne die ursprüngliche Konstruktion zu beschädigen.

 

Zum Ende unserer abwechslungsreichen Tour kommen wir noch an einer Biogasanlage vorbei, um dann in Rheinbach kurz vor dem Bahnhof noch einmal ein Teil Römerkanal – touristisch aufbereitet - zu erleben.

 

 

Text  und Fotos: Hannelore Greis, Gottfried Dietzel und Hans-Jürgen Sperl