Mythen, Masken, Meeresblicke - Primavera Siciliana

Dr. Angelika Dierichs,

GIK in Verbindung mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft  und dem Bonner Unesco-Club am 27.4. 2012 im Collegium Leoninum

 

Zu einer Frühlingsreise zwischen Blumen, Tempeln und Heiligtümern hatte die GIK  in Verbindung mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft  und dem Bonner Unesco-Club für Freitag, den 27.4. 2012, in das Collegium Leoninum eingeladen.

Kurzweilig und mit sinnlicher Freude durften die Zuhörer eine Rundreise rund um Sizilien, von West über Süd und Nord nach Osten zum Ätna erleben.

Angelika Dierichs verstand es als Kunsthistorikerin und Archäologin meisterhaft, die Etappen der Besiedlung Siziliens durch  verschiedene griechische Volksstämme, das Hin und Her zwischen Römern und Griechen, die Gegenspieler Karthago und Athen anschaulich, ja unterhaltsam darzulegen,  unterstützt von Fotos mit farbintensiver Blumenfülle, zu Leben erweckter Tempel und Theater, Heiligtümer mit herrlichen Ausblicken aufs Meer.

Die Erfahrung eindrucksstarker Mythen aus der griechischen Sagenwelt bedeutete für manchen Zuschauer ein „Aha- Erlebnis“. Wem ist wirklich noch bewusst,  dass das Pegasuspferdchen dem Blut der Medusa entsprang? Wer hat nicht den Ätna gesehen, aber jetzt erst erfahren,  dass er heute noch rumpelt, wenn der unter dem Ätna begrabene Typhon sich bewegt, weil dieser sich einmal mit Zeus um die Macht gestritten hatte?

Tempel als historische Zeugen, wie wir sie nirgendwo in Europa in solcher Dichte antreffen, ließ Angelika Dierichs zu uns sprechen  und damit  Geschichte lebendig werden. Fast immer handelt es sich bei diesen Überresten griechischer Kolonialgeschichte um dorische Ringhallentempel.  Ironie der Geschichte: den in attischer Bauweise nie vollendeten Tempel bei Segesta bewundern wir heute als den besterhaltenen griechischen Tempel  der Welt.

Dort, auf dem Stadtgebiet von Segesta, erlebten die gebannt lauschenden  Zuhörer die Keimzelle aller griechischen Theater, anhand der noch erhaltenen Cavea und Orchestra. Ausdrucksstarke Masken, Prototypen  menschlicher Charaktere und Stimmungen,  ließen manches Schauspiel von Sophokles, Euripides, Aristophanes und Menander gegenwärtig werden.

Mit beschwingtem Gefühl kehrten die Zuschauer zurück nach Bonn und Umgebung, oftmals bereits in Aufbruchstimmung nach „primavera siciliana“, zumindest jedoch in gespannter Vorfreude auf den nächsten virtuellen Trip mit Frau Dr. Dierichs und der GIK.

Bericht und Fotos: Edeltraud Rädle / Dr. Gottfried Dietzel